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"Wir haben so gut gespielt wie noch nie"

Es ist Handball-Weltmeisterschaft, die Schweiz spielt gegen Frankreich. Wir sind mitten in der zweiten Halbzeit, das Resultat ist knapp und Frankreich kommt mit vollem Tempo in die zweite Welle. Dika Mem, einer der aktuell besten Linkshänder der Welt, hat den Ball, er läuft geradewegs auf Samuel Röthlisberger zu, links und rechts gute zwei Meter Platz für ein Eins gegen Eins. Eine Situation, in der ein Verteidiger praktisch nur verlieren kann. Jedoch, als wäre es das einfachste der Welt, stellt sich Röthlisberger dem Franzosen in den Weg, liest seine Täuschung und holt ein Stürmerfoul heraus. Ball für die Schweiz.

 

Sämu, wie fühlt man sich nach einer solchen Aktion als «kleiner» Schweizer gegen einen französischen Weltklassespieler?

Samuel Röthlisberger: Ich kann mich daran erinnern. Aber ich glaube, in solch einer Situation überlegt man sich gar nicht, wer der Gegenspieler ist. Natürlich machen wir Videoanalysen für solche Situationen, aber manchmal ist es auch einfach der richtige Instinkt. Zum Glück war das da die richtige Entscheidung.

In der Schweiz wurde dieses Turnier als Handball-Märchen gefeiert. War die Story mit der Nati, die quasi vom Flugzeug direkt aufs Feld musste, und trotzdem Österreich besiegen konnte, der Schlüssel für die starken Leistungen?

Das hat uns sicher geholfen. Es war für uns alle die erste Weltmeisterschaft. Wir hatten aufgrund des späten Nachrückens gar keine Zeit, nervös zu werden. Durch die Kurzfristigkeit war eigentlich alles egal, wir hatten für nichts Zeit und nichts zu verlieren, ganz im Gegensatz zu den Österreichern. Sogar unser Gepäck war erst 50 Minuten vor dem Spiel in der Halle. Die ganze Situation hat uns als Team enorm zusammengeschweisst.

Wie nimmt man ein solches Märchen wahr, wenn man selber mittendrin ist?

Ich habe das selber auch wie ein Märchen wahrgenommen. Es ist ja der Traum eines jeden «kleinen» Handballers (Anmerkung der Redaktion: Sämu ist alles andere als klein, sowohl körperlich wie als Handballer), zuerst für sein Land zu spielen, und dann noch an solch einem Turnier.

Wie bist Du allgemein mit deiner Leistung und derjenigen des Teams an dieser WM zufrieden?

Ich habe das Gefühl, wir haben noch nie so gut gespielt wie an diesem Turnier. Ich weiss nicht, wie fest das aufgefallen ist, aber unsere Nati war während des ganzen Turniers wie eine grosse Familie. Typisch war auch die Stimmung von der Bank her, die uns angetrieben hat. Ich bin mehr als nur zufrieden, wie wir gespielt haben, auch mit meiner Leistung. Ich bin stolz, dass wir das Turnier so gestalten konnten. 

Was denkst Du, wann konnte die Handball-Nati zum letzten Mal einen ähnlichen Erfolg verbuchen?

(Überlegt) Ich bin ja immer mit Lenny Rubin im Zimmer. Wir haben noch darüber geredet. Er hat oft mit seinem Vater telefoniert und der hat ihm das auch immer vorgehalten. 1995, die sind irgendwie Vierte geworden?

Nicht so schlecht. 1996 an der Olympiade in Atlanta war die Nati Siebte und 1993 Vierte an der WM. Ich nehme an, an diese Momente hast Du lebhafte Erinnerungen?

Ja genau, damals war ich ja noch gar nicht da (lacht). Ich fand es noch lustig, Tinu Rubin hat Lenny immer gesagt, «egal was ihr macht, wir waren damals Siebte und Vierte».

Warum bist Du gerade mit Lenny Rubin im Zimmer?

Schon seit der Regionalauswahl 2011 oder 2012 waren wir immer zusammen im Zimmer, danach auch auf allen Junioren-Nati-Stufen. Damals war Lenny noch ein paar Zentimeter kleiner als ich. Plötzlich, in einem Jahr, ist er so richtig gewachsen und hat mich überholt. (Anm.d.Red.: heute ist Lenny Rubin 2.05m gross, Sämu 1.98m)

Lösen wir uns etwas von der WM und gehen auf Deine Person ein. Wir würden Dich bereits jetzt mit Grössen wie Tobias Karlsson, Didier Dinart oder Blaz Blagotinsek auf Augenhöhe setzen. Wo siehst Du Dich aktuell in Deinen Verteidiger-Qualitäten im internationalen Vergleich?

Zuerst einmal danke für das Kompliment. Ich vergleiche mich ungern. Tobias Karlsson ist ein riesiges Vorbild für mich. Er ist nicht der Lauteste, aber sehr verlässlich, sicherlich ähnlich wie ich. Ich versuche einfach, mein Bestmögliches zu zeigen. Wenn ich diese Namen höre, sehe ich mich nicht auf diesem Level, noch nicht. Aber es ist natürlich mein Ziel, dahin zu kommen.

Du hast kürzlich deinen Vertrag beim TVB Stuttgart um weitere zwei Jahre verlängert, wann sehen wir Sämu als Abwehrchef eines internationalen Topklubs?

Mein Ziel ist, auch in zwei Jahren in der Bundesliga zu spielen. Die Leistungsdichte in dieser Liga ist gewaltig und daher auch spannender als eine Liga, in der dann alles auf 10-15 Championsleague-Spiele rausläuft. Es ist ein Ziel von mir, einmal für einen Topklub zu spielen. Aber ich weiss, dass noch ein Weg vor mir liegt. Aus diesem Grund habe ich bei Stuttgart für weitere zwei Jahre unterzeichnet, um schrittweise mehr Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht öffnet sich dann irgendwann eine Tür.

Welcher Topklub wäre dein Favorit?

Meine Eltern würden nun wohl sagen Flensburg. Als U15, U17-Junior habe ich alle Spiele von Flensburg geschaut. Aber das ist mittlerweile auch etwas anders, wenn man plötzlich in dieser Liga spielt für einen anderen Verein. Ich fände es einfach cool, in Deutschland zu bleiben, vielleicht auch hier, wo ich gerade bin.

Gehen wir gleich weiter auf die Vereinsebene ein. Mit Deinem aktuellen Arbeitsgeber, dem TVB Stuttgart, seid ihr sehr gut in die aktuelle Bundesliga-Kampagne gestartet. Ihr standet zwischenzeitlich sogar auf Rang 1! Der Start in die Rückrunde misslang dann deutlich mit Niederlagen gegen nominell schwächere Teams. Wie erklärst Du Dir diese Berg- und Talfahrt des TVB Stuttgart in der aktuellen Saison?

Da fängt das Problem schon an. Ich kann es mir auch nicht richtig erklären. Das erst halbe Jahr war top, wir haben gut gespielt, vielleicht auch etwas über unserer Normalleistung. Wir waren im Flow. Aber durch die Winterpause wurde dieser Lauf unterbrochen. Die zwei Niederlagen nach der Pause waren dann schon ein Schlag ins Gesicht, damit haben wir nicht gerechnet. Darunter hat auch das Selbstvertrauen der Mannschaft gelitten. Dann kam Melsungen, ein Gegner, der uns liegt. Mit diesem Sieg hatte ich das Gefühl, wir sind wieder auf gutem Weg, doch dann kam ein weiterer Nackenschlag. Nun folgt eine längere Pause von über zwei Wochen. Ich hoffe, dass uns das hilft, uns wieder zu sammeln. Vor allem die technischen Fehler müssen wir abstellen.

Mit welchem Saisonziel seid ihr in die Meisterschaft gestartet?

Gegen aussen ist klar, dass der Ligaerhalt immer das erste und oberste Ziel ist. Teamintern wurde es zwar nie ausgesprochen, aber ich denke, wir haben alle den Anspruch in der Mitte, wenn möglich oberen Mitte zu landen. Daher waren die letzten Spiele sicherlich herbe Rückschläge, aber wir müssen aktuell wohl weniger darüber nachdenken, wo wir landen könnten, sondern uns Spiel für Spiel zurück zum Erfolg kämpfen.

Auf welchem Rang wird der TVB die Saison beenden?

Eine Prognose ist schwierig, aber ich hoffe so zwischen Platz 9 und 12.

Gehen wir etwas auf Deine Wurzeln ein, wie kommt ein Gieu aus dem Graben, einer ländlichen Gemeinde in der Nähe von Herzogenbuchsee mit rund 300 Einwohnern, überhaupt zum Handballsport?

Sorry, 350 Einwohner (lacht). In der Region Buchsi gibt es den Ferienpass, mit ganz vielen verschiedenen Aktivitäten. Ich war meistens bei den sportlichen Aktivitäten angemeldet. Mein Mami hätte mich damals glaube ich beim Tennis anmelden sollen, aber das war schon ausgebucht. Dann fragte sie, ob ich dafür ins Handball gehen möchte. So bin ich dann über den Ferienpass beim HV Herzogenbuchsee gelandet.

Hast Du schon als Junge davon geträumt, mal zu den weltbesten Verteidigern im Handball zu gehören?

Haha, ich glaube, das war früher nicht so. Als Junior wollte man vor allem Tore werfen. Als 12-Jähriger denkst Du ja nicht, «oh der hat jetzt aber gut verteidigt». Aber an diejenigen, die viele Tore geworfen haben, kannst Du Dich erinnern. Auch nach meinem Wechsel zum BSV habe ich das Verteidigen nicht explizit als meine Stärke gesehen. Das ist erst mit der Zeit gekommen.

Würdest Du manchmal gerne wieder ein bisschen mehr in der Offensive zum Zug kommen? Wir erinnern uns an einen Junioren-U19-Schweizermeistertitel in der Schachenhalle Aarau mit Sämu als mehrfachen Torschützen aus dem Rückraum!

Ja manchmal schon. Aber ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich es in diesem Bereich auch nicht auf das Niveau geschafft habe, das nötig wäre. Das habe ich recht früh realisiert und mich offensiv daher seit Jahren auf den Kreis konzentriert. Aber es ist auch schön, einem Team als Verteidiger helfen zu können.

Und wann sehen wir Sämu Röthlisberger einmal für den Handballverein seines Geburtsorts auflaufen (Anm.d.Red.: Sämu wurde in Solothurn geboren)?

(lacht und klatscht in die Hände) Jetzt habe ich vorerst einmal zwei weitere Jahre Vertrag, danach können wir weiterreden.

Vermutlich können wir uns Dich im aktuellen Stadium Deiner Karriere in zwei Jahren noch nicht leisten. Wie sieht's später aus, gegen Ende Karriere, hast Du vor wieder in die Schweiz zu kommen?

Sportlich ist das noch so weit weg, dass ich mir das noch gar nicht überlege. Aber nach der sportlichen Karriere ziehe ich mit meiner Freundin sicher wieder zurück in die Schweiz. Ich kann mir auch vorstellen, nach meiner Profi-Karriere noch im Handball aktiv zu sein. Denn ich denke, dass mir dann das ganze Teamgefüge des Mannschaftssports schon ziemlich bald fehlen wird.

Sämu, herzlichen Dank für dieses Interview und wir hoffen, Dich wieder einmal bei uns in der Halle anzutreffen. Bis dahin wünschen wir Dir alles Gute und natürlich viel Erfolg mit dem TVB Stuttgart!

       

*Das Gespräch mit Samuel Röthlisberger fand Ende Februar statt, kurz nach der Niederlage gegen Frisch auf Göppingen. Die gut zweiwöchige Pause, die Sämu im Interview angesprochen hat, schien den Stuttgartern gut getan zu haben, denn letzten Sonntag sind die Süddeutschen mit einem Sieg über Leipzig auf die Siegerstrasse zurückgekehrt.

 
 
 
 
 
 
 
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